Adaptive Empfehlungen erklärt

Diese Seite erklärt Schritt für Schritt, wie Lernspiegel aus Lernstandserfassungen und Online-Übungen automatisch eine Einschätzung und eine passende Übungsempfehlung für jede Schülerin und jeden Schüler ableitet.

1. Datenquellen

Adaptive Empfehlungen stützen sich auf zwei voneinander unabhängige Datenquellen pro Kompetenz.

📋

Lernstandserfassung (manuell)

Die von der Lehrperson erfassten Beurteilungsergebnisse, als Score 0–10 pro Kompetenz. Optionale Notizen werden zusätzlich auf Schlüsselbegriffe (Verwechslung, Merkproblem, Sprachbarriere …) ausgewertet.

✏️

Online-Übungen

Resultate abgeschlossener Übungssitzungen in Prozent, inkl. Anzahl Sitzungen, Antwortzeiten pro Aufgabe und gewählter Antwortoptionen, Grundlage für Trend- und Fehlermuster-Analyse. Sitzungen aus der Einstiegs-Übung (Plattform-Tutorial) zählen nicht mit.

2. Steuerungen für Lehrpersonen

Pro Klasse stehen sechs Steuerungen zur Verfügung. Sie legen fest, welche Daten in die Einschätzung einfliessen, wie sie gewichtet werden, ab wann und in welchen Fächern die Empfehlung im Schüler-Dashboard erscheint und wann ein Kind in die nächst-schwierigere Übung aufrückt.

🕒 Zeitraum-Filter

  • Wählbar: 1, 3, 6, 12 Monate oder alle Daten
  • Nur Resultate innerhalb des Zeitraums fliessen in Einschätzung und Empfehlung
  • Ausnahme: Erfassungen ohne Datum zählen immer mit. Der Filter soll alte Daten ausblenden, nicht solche ohne Zeitbezug. Fürs Alters-Gewicht gelten sie als ein Jahr alt (Faktor 0.5)
  • Wirkt gleichzeitig auf die Lehreransicht und das Schüler-Dashboard
  • Pro Klasse gespeichert

🤖 Autopilot

  • Zeigt jedem Kind im Schüler-Dashboard automatisch seine oberste Empfehlung als „Empfehlung für dich", direkt startbar ohne Zuweisung
  • Ist der Autopilot aus, sehen die Schüler/innen nur, was die Lehrperson zugewiesen hat
  • Er legt keine Zuweisung an: Das Zuweisen bleibt der Lehrperson vorbehalten (Knopf in der Empfehlungs-Tabelle)
  • Pro Klasse aktivierbar; wirkt zusammen mit Startbedingung, Zeitraum und Empfehlungs-Fächern

⏳ Startbedingung („Erst ab")

  • Schüler/innen sehen Empfehlungen erst ab einer Mindestanzahl erfasster Resultate pro Schüler/in
  • Gezählt werden erfasste Resultate und abgeschlossene Übungssitzungen im gewählten Zeitraum, auf derselben Datenbasis wie die Engine: Erfassungen ohne Datum zählen mit, Sitzungen der Einstiegs-Übung nicht
  • Greift nur bei aktivem Autopilot; die Lehreransicht zeigt die Empfehlungen unabhängig davon
  • Standard: 0 = aus (keine Sperre); pro Klasse gespeichert

⚖️ Gewichtung manuell vs. online

  • Schieberegler von 0 % (nur Online) über 50 / 50 bis 100 % (nur manuell)
  • Verschiebt die Basis-Gewichtung der beiden Signal-Quellen in der Einschätzung
  • Die gleitende Alters-Gewichtung bleibt aktiv: ältere Daten zählen abgestuft schwächer (4-Stufen-Gradient, kein Cliff). Manuell >365 Tage und Online >180 Tage erreichen den Mindestwert von 0.25. Details siehe Abschnitt 10.3.
  • An den Extremen (0 oder 100) wird die andere Quelle komplett ignoriert, Kinder ohne Daten der gewählten Quelle bekommen dort keine Empfehlung
  • Standard: 50 / 50, entspricht dem bisherigen Verhalten; pro Klasse gespeichert

🎯 Aufstiegs-Schwelle

  • Bestimmt, ab welchem Score in einem Übungsset auf die nächst-schwierigere Stufe aufgerückt wird
  • Schieberegler 50 % – 95 % in 5er-Schritten
  • Höher = strenger (Kind muss näher an Perfektion kommen). Niedriger = lockerer (schneller Aufstieg)
  • Standard: 80 %; pro Klasse gespeichert

📚 Empfehlungs-Fächer

  • Legt fest, in welchen Fächern die automatische Empfehlung im Schüler-Dashboard erscheint
  • Auswahl ist klassenrelevant: nur Fächer, für die bereits Daten vorliegen (Erfassungen oder Online-Übungen)
  • Wirkt nur bei aktivem Autopilot und gilt auch für den Direktstart empfohlener Übungen; die Lehreransicht zeigt weiterhin alle Empfehlungen
  • Standard: alle Fächer; pro Klasse gespeichert

3. Workflow Schritt für Schritt

So wandelt das System die Rohdaten in eine konkrete Empfehlung um.

1

Signale aus beiden Quellen sammeln

Pro Kompetenz wird der manuelle Score eingelesen und es werden alle Online-Sitzungen im gewählten Zeitraum (Standard 3 Monate, klassenseitig einstellbar) aggregiert: Durchschnitt, neuester Wert, Sitzungsanzahl und Datum.

▼
2

Muster erkennen

Der manuelle Score wird in vier Stufen klassifiziert (Grosser Förderbedarf / Unsicher / Teilweise gesichert / Gesichert). Die Grenzen folgen den Bewertungsstufen der Klasse. Die Online-Sitzungen ergeben einen Trend: ↑ Verbesserung, → Stagnation, ↓ Rückschritt oder = Stabil. Einen Trend gibt es erst ab zwei aktuellen Sitzungen. Darunter steht Einzelwert (nur eine Sitzung) bzw. Kein aktueller Trend (mehrere Sitzungen, aber keine zwei aus den letzten 120 Tagen).

▼
3

Signale fusionieren & Konfidenz bestimmen

Beide Quellen werden gewichtet zusammengeführt (ältere Daten zählen weniger). Die Differenz zwischen Erfassung und Online ergibt eine Konfidenz: high ≤ 20 % · medium 20 – 40 % · conflict > 40 % ab drei Online-Sitzungen.

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4

Einschätzungs-Matrix anwenden

Die Kombination manuelles Muster × Online-Trend ergibt eine konkrete Einschätzung (z. B. «Strukturelles Defizit») und eine Massnahme (z. B. «Erklärungsgespräch»). Bei conflict übersteuert ein Sonderfall die Matrix.

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5

Fehlermuster ergänzen

Sobald Online-Daten vorliegen und der Schwäche-Score über 30 liegt, werden zusätzlich Fehlermuster aus den einzelnen Antworten erkannt, z. B. «Rät schnell», «Systematischer Irrtum», «Transferproblem». Stützt sich die Einschätzung nur auf die manuelle Erfassung, entfällt dieser Schritt.

▼
6

Passendes Übungsset mit passender Schwierigkeit wählen

Wenn die Massnahme eine konkrete Übung verlangt (Einstiegsübung, Wiederholung, nächste Stufe, anderes Format), sucht das System ein zur Kompetenz und zur Klasse passendes Set. Auch das Erklärungsgespräch bekommt eines: als Folge-Übung nach dem Gespräch, immer auf der Stufe Einfach. Dabei wird die Schwierigkeitsstufe (Einfach / Mittel / Schwer) automatisch an die Schwere der Schwäche angepasst:

• Grosser Förderbedarf oder „Einstiegsübung" → Einfach
• Unsicher / Teilweise gesichert oder „Anderes Format" → Mittel
• Gesichert oder „Nächste Stufe" / Online-Verbesserung → Schwer

Zusätzlich gilt eine Aufwärts-Korrektur: war die letzte Online-Session ≥ 80 %, wird die Ziel-Schwierigkeit auf mindestens eine Stufe über der gerade absolvierten gehoben. So bekommt ein Kind, das eine Mittel-Übung gut bestanden hat, beim nächsten Mal Schwer vorgeschlagen und nicht versehentlich Einfach.

Sets, in denen das Kind die Aufstiegs-Schwelle bereits erreicht hat (Standard 80 %, pro Klasse einstellbar), werden ausgeschlossen, so rückt das Kind automatisch auf die nächste Stufe vor, sobald die aktuelle gemeistert ist. Ebenfalls ausgeschlossen werden Sets, in denen das Kind 5-mal oder mehr versucht hat, ohne die Schwelle zu erreichen (Anti-Loop): das System weicht dann auf ein anderes Set oder eine andere Methode aus, statt dieselbe Übung endlos zu wiederholen.

4. Einschätzungs-Matrix

Wenn beide Quellen vorliegen, ergibt die Kombination aus manuellem Score (Zeile) und Online-Trend (Spalte) eine von 16 Einschätzungen plus Massnahme. Die Farbe zeigt die Dringlichkeit.

↑ Verbesserung → Stagnation ↓ Rückschritt = Stabil
Grosser FörderbedarfScore < 4
Erste Fortschritte sichtbar
🔄 Übung wiederholen
Strukturelles Defizit
💬 Erklärungsgespräch
Zunehmendes Defizit
💬 Erklärungsgespräch
Anhaltende Schwäche
📖 Einstiegsübung
Unsicher4 ≤ Score < 6
Erste Fortschritte sichtbar
🔄 Übung wiederholen
Stagnation
🔀 Anderes Format
Rückfall
📖 Einstiegsübung
Knapp unter Ziel
📖 Einstiegsübung
Teilweise gesichert6 ≤ Score < 7.5
Guter Fortschritt
⬆️ Schwierigere Übung
Methode überdenken
🔀 Anderes Format
Plötzlicher Einbruch
📖 Einstiegsübung
Stabil
👁️ Beobachten
GesichertScore ≥ 7.5
Dynamik läuft
👁️ Beobachten
Desinteresse trotz Stärke
🗣️ Gespräch führen
Widerspruch: gesichert vs. online unsicher
🔍 Neu erfassenLiegt der Online-Schnitt noch bei ≥ 80 %, stuft der Niveau-Guard auf «Leichter Online-Rückgang (Niveau ok)» · 👁️ Beobachten herab.
Gesichert
👁️ Beobachten
Die Score-Grenzen gelten für die Standard-Bewertungsstufen. Hat eine Klasse eigene Stufen oder eine eigene «Erreicht»-Schwelle, verschieben sie sich: «Unsicher» reicht bis zur «Erreicht»-Schwelle der Klasse, «Grosser Förderbedarf» bis zur Stufe darunter, «Gesichert» beginnt drei Achtel des Wegs von der Schwelle bis 10 (auf halbe Punkte gerundet; Schwelle 7 ergibt 7 + (10 − 7) × 3/8 = 8.125, also 8). Die geltenden Werte stehen über der Empfehlungstabelle, der Tooltip bei «Gesichert ab» rechnet sie mit den Zahlen der Klasse vor.
Die Spalte = Stabil deckt auch die beiden Fälle ohne belastbaren Trend ab: Einzelwert und Kein aktueller Trend. Sie unterscheiden sich nur in der Beschriftung.

5. Sonderfälle

Wenn nur eine Quelle vorliegt oder beide Quellen sich widersprechen, wird die Matrix übersteuert.

📋 Nur Lernstandserfassung

  • Grosser Förderbedarf → Grosser Förderbedarf · 📖 Einstiegsübung
  • Unsicher → Unsicher · 📖 Einstiegsübung
  • Teilweise gesichert → Teilweise gesichert · 👁️ Beobachten
  • Gesichert → wird übersprungen, erscheint nicht in den Empfehlungen, da kein Handlungsbedarf besteht

✏️ Nur Online-Daten

  • ↑ Verbesserung → Online: Verbesserung · 👁️ Beobachten
  • → Stagnation → Online: Stagnation · 📖 Einstiegsübung
  • ↓ Rückschritt → Online: Rückschritt · 📖 Einstiegsübung
  • = Stabil (auch Einzelwert, Kein aktueller Trend) → Nur Online-Daten · 📖 Einstiegsübung
  • Niveau-Guard: Liegt der Online-Schnitt auf oder über der Aufstiegs-Schwelle der Klasse (Standard 80 %), wird daraus 👁️ Beobachten. Ohne Erfassung bekäme sonst auch ein Kind mit 95 % eine Einstiegsübung.

⚠ Konflikt zwischen Quellen

  • Gesichert + Konflikt → Widerspruch: gesichert vs. online unsicher · 🔍 Neu erfassen
  • sonstige + Konflikt → Widerspruch: Quellen weichen ab · 🔍 Neu erfassen
  • Tritt auf, wenn Erfassung und Online-Schnitt um mehr als 40 % auseinanderliegen und mindestens drei Online-Sitzungen vorliegen.

🟢 «Auf Kurs»: alle Kompetenzen gemeistert

  • Ein Kind hat Resultate im gewählten Zeitraum, aber alle erfassten Kompetenzen liegen im Bereich «beherrscht» (Standard: Score ≥ 7.5)
  • Es erscheint in der Lehrer-Tabelle als «auf Kurs» (grün) statt als «keine Daten»
  • Im Schüler-Dashboard wird keine Empfehlung angezeigt, kein Handlungsbedarf

6. Peer-Signal-Korrektur

Damit veraltete Schwächen nicht endlos hervorgehoben werden, prüft das System zusätzlich, wie sich die Schülerin oder der Schüler bei verwandten Kompetenzen desselben Kompetenzbereichs entwickelt hat. Ergibt sich dort ein deutlich besseres Bild, wird die Empfehlung angepasst.

⏳ Veraltete Schwäche: Neubewertung

  • Für die betroffene Kompetenz keine eigenen Online-Daten (Einschätzung stützt sich nur auf die manuelle Erfassung)
  • Manuelle Erfassung ist älter als 120 Tage
  • Score war Grosser Förderbedarf oder Unsicher
  • Geschwisterkompetenzen erreichen ≥ 80 % in ≥ 3 Online-Sitzungen
  • → Einschätzung «Veraltet, neu erfassen» · 🔍 Neu erfassen statt Übung

📉 Dämpfung bei starkem Umfeld

  • Geschwisterkompetenzen liegen im Schnitt über 60 %
  • Manuelle Erfassung ist älter als 60 Tage (aktuelle Lücken werden nicht gedämpft)
  • Der Schwere-Score wird proportional um bis zu 25 % reduziert
  • So rutscht eine isolierte Altschwäche im Ranking nach unten und verdrängt keine aktuelleren Themen

7. Fehlermuster-Badges

Wenn Online-Übungsdaten vorliegen und eine spürbare Schwäche besteht, ergänzt das System zusätzliche Hinweise zu erkannten Mustern in den Antworten. Sie erscheinen als kleine Badges in der Spalte «Einschätzung & Begründung».

Rät schnell

Mindestens vier Antworten kommen sehr schnell und sind falsch, deutet auf Raten statt Nachdenken hin.

Tiefe Verwirrung

Viele verschiedene Fehler ohne erkennbares Muster, grundlegendes Verständnis fehlt.

Nicht engagiert

Auffällig schnelle Antworten ohne korrekte Lösung, fehlendes Engagement.

Transferproblem

Einfache Aufgaben gelingen, schwierigere nicht, Wissen kann nicht auf neue Situationen übertragen werden.

Abrufproblem

Bei Wiedererkennungsaufgaben (Multiple Choice) deutlich besser als bei freien Abrufaufgaben (Lückentext, Kurzantwort), Wissen ist vorhanden, aber nicht frei abrufbar.

Produktionslücke

Bei Auswahlaufgaben (Multiple Choice) deutlich besser als beim selbst Ausrechnen (Zahlen- und Bruchantworten), das Vorgehen sitzt noch nicht.

Systematischer Irrtum

Immer dieselbe falsche Antwort wird gewählt, deutet auf ein festes Fehlkonzept hin.

Tendenz 'wahr'

Bei Wahr/Falsch-Aufgaben wird übermässig oft «wahr» gewählt, unabhängig vom Inhalt.

Tendenz 'falsch'

Bei Wahr/Falsch-Aufgaben wird übermässig oft «falsch» gewählt, unabhängig vom Inhalt.

Teilweise korrekt

Antworten sind oft nur teilweise richtig, Grundverständnis vorhanden, aber unvollständig oder ungenau.

8. Konfidenz-Indikatoren

Jede Empfehlung trägt eine Konfidenz, die zeigt, wie sicher sich das System bei der Einschätzung ist.

●

Hoch

Erfassung und Online bestätigen sich gegenseitig (Abweichung ≤ 20 %).

◐

Mittel

Nur eine Quelle vorhanden, moderate Abweichung (20 – 40 %) oder eine grosse Abweichung, die erst ein oder zwei Sitzungen belegen.

⚠

Konflikt

Quellen widersprechen sich (> 40 % Abweichung, belegt durch mindestens drei Online-Sitzungen), Erfassung wiederholen.

9. Schwäche-Score und Massnahmen

Im Hintergrund jeder Empfehlung steht der weakness_score (0–100), eine normalisierte, gewichtete Zusammenführung von manueller Erfassung und Online-Übungen inkl. Trend-Modifier. Er ist in der Tabelle nicht direkt sichtbar (das Einschätzungs-Label allein soll für die Lesarbeit zuständig sein), wirkt aber an zwei zentralen Stellen:

↕
Sortier-KriteriumDie Empfehlungs-Tabelle ist nach weakness_score absteigend vorsortiert: Kompetenzen mit dem höchsten Förderbedarf erscheinen zuoberst.
🎯
Top-Empfehlung im DashboardAls „Empfehlung für dich" erscheint die oberste Kompetenz, zu der es eine konkrete Übung gibt. Kompetenzen, die nur Beobachten, ein Gespräch oder eine neue Erfassung verlangen, werden dabei übersprungen, auch wenn ihr Score höher ist.

Den Status in der Tabelle (🔴 Kritisch · 🟡 Handlungsbedarf · 🟢 auf Kurs · ⬜ keine Daten) bestimmt nicht der Score, sondern die Massnahme: Verlangt die Engine nichts, also 👁️ Beobachten (oder ⬆️ Schwierigere Übung, eine Massnahme aus Stärke), steht die Zeile auf auf Kurs. Verlangt sie etwas, steht sie auf Handlungsbedarf. Die Einschätzungen «Grosser Förderbedarf», «Zunehmendes Defizit», «Plötzlicher Einbruch» und «Rückfall» gelten unabhängig davon als kritisch. So steht nie «auf Kurs» neben einer empfohlenen Übung. Nur bei «Nur Online-Daten» kommt der Score dazu: diese Einschätzung sagt nichts über die Schwere aus, sie steht für 19 % genauso wie für 70 %. Ab einem Schwäche-Score von 60, das entspricht Score 4/10, wird daraus Kritisch statt Handlungsbedarf. Eine Anpassung des Gewichtungs-Sliders (manuell vs. online) in den Klassen-Einstellungen kann den Score verschieben und damit die Sortier-Reihenfolge.

Wichtig: Die Höhe des Scores bedeutet Handlungsbedarf aus der Engine-Sicht, nicht „Leistungsstand des Kindes". Ein Kind mit hohem Score ist nicht „schwach", sondern in dieser Kompetenz aktuell mit einer Massnahme oder Übung zu unterstützen.

Jede Einschätzung endet zusätzlich in einer von acht konkreten Massnahmen. Die ersten vier schlagen ein konkretes Übungsset vor, das Erklärungsgespräch eines als Folge-Übung, die letzten drei verlangen allein pädagogisches Handeln.

📖
EinstiegsübungLeichteste passende Übung (Schwierigkeit Einfach) zur Kompetenz.
🔄
Übung wiederholenÜbung auf aktueller Stufe nochmals, bereits gemeisterte Sets werden übersprungen.
⬆️
Schwierigere ÜbungNächsthöhere Schwierigkeitsstufe (z. B. von Mittel zu Schwer).
🔀
Anderes FormatAnderen Übungstyp probieren (z. B. von Multiple-Choice zu Lückentext).
💬
ErklärungsgesprächVor weiterem Üben braucht es eine persönliche Erklärung. Für danach wird eine Übung der Stufe Einfach vorgeschlagen.
🗣️
Gespräch führenEngagement- oder Motivationsgespräch, keine Übung nötig.
🔍
Neu erfassenLernstandserfassung wiederholen, da Quellen widersprüchlich sind.
👁️
BeobachtenKein aktiver Handlungsbedarf, Entwicklung weiter im Blick behalten.

10. Mathematische Details

Für interessierte Lehrpersonen: die exakten Formeln, Schwellenwerte und Prioritäten, die hinter jeder Empfehlung stehen, nachvollziehbar Schritt für Schritt.

Berechnungen im Detail aufklappen

10.1 Manuelle Signal-Berechnung

Aus jedem erfassten Score (0–10) wird pro Kompetenz eine Schwäche-Stärke und ein Pattern abgeleitet:

weakness_manual = max(0, (10 − score) × 10)

Pattern (Standard-Bewertungsstufen):
  score < 4.0   → critical_deficit
  score < 6.0   → borderline
  score < 7.5   → average
  score ≥ 7.5   → mastered

Eigene Bewertungsstufen der Klasse:
  grenze    = «Erreicht»-Schwelle der Klasse
  kritisch  = Untergrenze der höchsten Stufe unter grenze
              (ohne die unterste; sonst grenze × 2/3)
  gesichert = grenze + (10 − grenze) × 0.375
  (abgeleitete Werte auf halbe Punkte gerundet)
Beispiel: Score 5.5 → weakness = (10 − 5.5) × 10 = 45; Pattern = borderline.
Beispiel eigene Stufen (0 / 3 / 5 / 7 / 9, «Erreicht» ab 7): grenze = 7; kritisch = 5 (höchste Stufe unter 7); gesichert = 7 + (10 − 7) × 0.375 = 8.125 → 8. Mit den Standardstufen ergibt dieselbe Rechnung 6 + 4 × 0.375 = 7.5.

Notizen werden zusätzlich auf Schlüsselbegriffe geprüft (Verwechslung, Merkproblem, Aufmerksamkeit, Verständnis, Fortschritt, Sprachbarriere) und ergeben optional ein notes_pattern.

10.2 Online-Signal-Berechnung

Pro Kompetenz werden alle abgeschlossenen Übungs-Sessions aggregiert (Werte 0–100 %):

avg_pct       = Mittel aller Session-Scores
latest_pct    = Score der jüngsten Session
session_count = Anzahl Sessions
weakness_online = (1 − avg_pct ÷ 100) × 100

Für die Trend-Bestimmung werden nur aktuelle Sessions (max. 120 Tage alt) berücksichtigt. Alte Daten würden sonst eine veraltete Phase mit aktuellem Stand vermischen und den Trend verzerren. Aus dem Vergleich des jüngsten Scores mit dem Median der älteren wird ein Trend bestimmt; er liefert einen trend_modifier, der direkt in die Einschätzung einfliesst. Der Median (statt arithmetisches Mittel) sorgt dafür, dass ein einzelner Ausreisser — z. B. ein kranker Tag — den Trend nicht kippt. Die Stärke skaliert mit der Anzahl frischer Sessions, damit wenige Datenpunkte nicht voll durchschlagen:

diff = latest_pct − median(älteren aktuellen Sessions)

Maximaler Modifier nach Anzahl aktueller Sessions:
  2 Sessions      → max ±5
  3–4 Sessions    → max ±8
  ≥ 5 Sessions    → max ±10

Trend (nur ab 2 aktuellen Sessions):
  diff ≥ +10                  → improving   · trend_modifier = −max
  diff ≤ −10                  → regressing  · trend_modifier = +max
  ≥ 3 Sessions UND avg < min(Aufstiegs-Schwelle, 80 %)
                              → plateauing  · trend_modifier = +max ÷ 2
  sonst                       → stable      · trend_modifier =   0

Weniger als 2 aktuelle Sessions (kein Trend bestimmbar):
  genau 1 Session insgesamt   → single      · trend_modifier =   0
  mehrere, aber keine zwei
  aus den letzten 120 Tagen   → stale       · trend_modifier =   0
Negativer Modifier verringert die Schwäche-Score (gut), positiver erhöht sie. single und stale wirken sich nur auf die Beschriftung aus: in der Matrix unten verhalten sie sich wie = Stabil, die Empfehlung ändert sich dadurch also nicht.

Alters-Gewichtung Online: die jüngste Session bestimmt das Alter; mit zunehmenden Tagen wird das Online-Signal in vier Stufen geringer gewichtet (siehe Abschnitt 10.3).

10.3 Signal-Fusion (Gewichtung)

Wenn beide Quellen vorhanden sind, werden ihre Schwäche-Werte gewichtet kombiniert. Basis ist der Klassen-Slider manualWeightPct (0–100). Auf die Basis wirkt eine gleitende 4-stufige Alters-Gewichtung, sie ersetzt die frühere harte Halbierung an einer einzigen Schwelle und vermeidet Cliff-Effekte:

// Manuell:                              // Online:
ageFactorManual(days):                   ageFactorOnline(days):
  ≤ 90 Tage   → 1.00                       ≤ 60 Tage   → 1.00
  ≤ 180 Tage  → 0.75                       ≤ 120 Tage  → 0.75
  ≤ 365 Tage  → 0.50                       ≤ 180 Tage  → 0.50
  > 365 Tage  → 0.25                       > 180 Tage  → 0.25

m_base = manualWeightPct ÷ 100         // Anteil manuell
o_base = 1 − m_base                    // Anteil online

m_weight = m_base × ageFactorManual(manual_age_days)
o_weight = o_base × ageFactorOnline(online_age_days)

total = m_weight + o_weight
mw    = m_weight ÷ total                // normalisiert
ow    = o_weight ÷ total

combined = manual_weakness × mw
         + online_weakness × ow
         + trend_modifier × min(1, ow ÷ 0.5)

weakness_score = clamp(combined, 0, 100)
Extreme: Bei Slider 0 wird das manuelle Signal komplett ignoriert; bei 100 entsprechend das Online-Signal. Die Alters-Gewichtung greift unabhängig vom Slider.
Trend: Er gehört zum Online-Signal und wird mitgewichtet. Bei der Standardeinstellung 50/50 zählt er voll; wer Online herunterregelt, bekommt auch dessen Trend entsprechend leiser.

10.4 Konfidenz

delta = | manual_weakness − online_weakness |

Konfidenz:
  delta ≤ 20                         → high
  delta ≤ 40                         → medium
  delta > 40 UND ≥ 3 Online-Sessions → conflict
  delta > 40 mit weniger Sessions    → medium

Ein Widerspruch muss ein Muster sein, keine Momentaufnahme: Eine einzelne schwache Sitzung (kranker Tag, Abbruch) kippt die Beurteilung der Lehrperson nicht in «neu erfassen». Bei nur einer Quelle ist die Konfidenz immer medium. Bei conflict übersteuert ein Sonderfall die Einschätzungs-Matrix (siehe Section 5).

10.5 Peer-Korrektur (Geschwister-Kompetenzen)

Wenn andere Kompetenzen im selben Bereich Online-Daten liefern, werden zwei Korrekturen geprüft:

(a) Dämpfung: wenn Geschwister im Schnitt > 60 % erreichen und die manuelle Erfassung > 60 Tage alt ist, wird die Schwäche dieser Kompetenz proportional reduziert (max. 25 %):

Wenn peer_avg_pct > 60 UND manual_age > 60 Tage:
  factor   = 1 − min(0.25, (peer_avg_pct − 60) ÷ 160)
  combined = combined × factor
  • peer_avg = 60 % → factor 1.00 (keine Dämpfung)
  • peer_avg = 80 % → factor 0.875 (12.5 % Reduktion)
  • peer_avg ≥ 100 % → factor 0.75 (max. 25 % Reduktion)
Die zusätzliche Bedingung manual_age > 60 Tage verhindert, dass aktuelle isolierte Lücken durch starke Nachbarn vorschnell verschwinden.

(b) Stale-Reassess Guard: eine veraltete manuelle Schwäche wird in „neu erfassen" umgewandelt, wenn alle vier Bedingungen zutreffen:

  • Quelle dieser Kompetenz ist nur manuell (keine eigenen Online-Daten)
  • Manuelle Erfassung älter als 120 Tage
  • Manuelles Pattern ist critical_deficit oder borderline
  • Geschwister haben ≥ 3 Sessions mit peer_avg ≥ 80 %

→ Einschätzung wird auf stale_reassess / Action auf reassess gesetzt.

10.6 Einschätzungs-Matrix & Sonderfälle

Aus dem manuellen Pattern und dem Online-Pattern wird ein Einschätzungs-Label und eine Action ausgewählt (siehe Section 4 für die volle 4×4-Matrix). Sonderfälle haben Priorität:

  • Konfidenz conflict → surface_mastery (wenn manuell beherrscht) oder assessment_discrepancy
  • Manuell mastered + keine Online-Daten → Eintrag wird ganz übersprungen
  • Niveau-Guard: surface_mastery + Online-Schnitt ≥ 80 % → mastery_dip / watch_only. Ein Rückgang innerhalb eines hohen Bandes (96 → 86 %) ist meist Rauschen und soll keine neue Erfassung auslösen.
  • Stale-Reassess Guard greift → stale_reassess

10.7 Schwierigkeits-Wahl der Übung

Wenn die Action ein konkretes Übungs-Set verlangt, bestimmt das System eine Ziel-Schwierigkeit (1=Einfach, 2=Mittel, 3=Schwer):

Action-Type ist explizit:
  easiest_available → 1 (Einfach)
  next_level        → wenn letzte Schwierigkeit bekannt:
                         min(3, letzte_Schwierigkeit + 1)
                      sonst 3 (Schwer)

Sonst aus Pattern:
  manual = critical_deficit  → 1
  manual = borderline        → 2
  manual = average           → 2
  manual = mastered          → 3
  nur online: regressing → 1, plateauing → 2, improving → 3
  Default                    → 2

Aufwärts-Korrektur (überschreibt nur höher, nie tiefer):
  letzte Online-Session ≥ 80 %  →  target = min(3, letzte_Schwierigkeit + 1)
                                 +  min_difficulty = letzte_Schwierigkeit
                                    (harte Untergrenze: keine leichteren Sets)
Diese Korrektur fängt den Fall ab, dass bei nur einer Online-Session noch kein Trend berechenbar ist (Pattern fällt auf stable), die Matrix dann auf easiest_available routet und eine eben gut bestandene Mittel-Übung versehentlich zur Einfach-Empfehlung führen würde. Die Untergrenze sorgt zusätzlich dafür, dass kein leichteres Set vorgeschlagen wird, wenn alle gleich-/höher-stufigen Sets bereits bestanden sind. Dann wird lieber keine Empfehlung gemacht.

10.8 Set-Auswahl in der Datenbank

Aus allen Sets, die (a) mit der Kompetenz verknüpft, (b) aktiv, (c) reguläre Übungssets (keine Einstiegs- oder Standortbestimmungs-Sets) und (d) für die Klasse zulässig sind, werden zwei Arten von Sets ausgeschlossen:

  • Sets, in denen das Kind die Aufstiegs-Schwelle (Default 80 %, einstellbar 50–95 %) bereits erreicht hat (gilt als gemeistert).
  • Sets, in denen das Kind bereits 5-mal oder mehr ohne Erreichen der Aufstiegs-Schwelle versucht hat (Anti-Loop). Das verhindert, dass dasselbe Set endlos wiederholt empfohlen wird.

Aus dem Rest wird sortiert:

1. ABS(set.difficulty − target_difficulty) ASC
2. Bereits zugewiesen     DESC      (vorhandene zuerst)
3. Letzter Score          ASC       (schwächere zuerst)
4. set.difficulty         ASC       (Tiebreak: leichter)
5. set.id                 DESC      (Tiebreak: neuer)
LIMIT 1
Die Schwellen-Bedingung sorgt für Progression: wer in einem Set ≥ Schwellwert erreicht, bekommt es nicht mehr empfohlen, das nächst-passende rückt nach. Die 5-Versuche-Grenze lässt eine typische Lernkurve mit mehreren Anläufen zu, bevor das System auf ein anderes Set ausweicht.

Alternative über den Lehrplan 21: Bleibt unter den direkt verknüpften Sets keines übrig, sucht das System nach denselben Regeln unter den Sets derselben LP21-Kompetenzstufe (zum Beispiel MA.1.A.2.d): solche, die mit einer anderen Kompetenz dieser Stufe verknüpft sind, und solche, die den Code direkt tragen. Öffentliche Sets anderer Lehrpersonen sind dabei ausgenommen, offizielle, eigene und die der Lehrpersonen der Klasse zählen. Vorrang haben Sets mit mehr gemeinsamen Codes, dann solche der gleichen Klassenstufe. Die Klasse kann diese Alternativen mit dem Schalter «LP21-Alternativen» ausschalten; dann zählen auch in der Einschätzung nur die Online-Resultate direkt verknüpfter Sets. Die Lehrperson sieht beim Vorschlag den gemeinsamen Code und kann das Set bei einer eigenen Erfassung direkt mit der Kompetenz verknüpfen. Online-Resultate aus solchen Sets zählen für die Kompetenz mit, ihr Gewicht sinkt dabei um bis zu einen Viertel.

10.9 Sortierung & Auswahl der Top-Empfehlung

Alle Profil-Einträge eines Kindes werden nach weakness_score absteigend sortiert. Die Top-Empfehlung wird in dieser Reihenfolge gewählt:

  1. Erste Kompetenz mit konkretem Übungs-Set und aktionsorientierter Action (alles ausser watch_only, teacher_talk, reassess)
  2. Sonst: erste Kompetenz mit Action ungleich watch_only / mastered / mastered_stable
  3. Sonst: oberster Profil-Eintrag (kann auch watch_only sein)

10.10 Schwäche-Badge: Anzeige-Stufen

In der Lehrer-Tabelle erscheint bei doppelter Quelle (manuell + online) ein farbiger Badge ⚖ Schwäche: …:

weakness_score < 30   → leicht  (grün)
weakness_score 30–59  → mittel  (orange)
weakness_score ≥ 60   → stark   (rot)

Tooltip zeigt zusätzlich den exakten Wert (0–100), damit die Wirkung des Gewichtungs-Sliders feinkörnig nachvollziehbar bleibt.

10.11 Caching

Profile werden in adaptive_cache für 24 Stunden oder bis zur nächsten Erfassung gecacht. Änderungen an den Klassen-Steuerungen (Zeitraum, Erst-ab, Gewichtung, Aufstiegs-Schwelle) leeren den Cache aller Schüler/innen der Klasse sofort.

Adaptive Empfehlungen ausprobieren

Öffnen Sie eine Klasse unter «Ergebnisse erfassen» und blenden Sie das Panel «Adaptive Empfehlungen» ein.